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Facebook-Strategien

Mittwoch, den 25 Januar 2012

Soziale Netzwerke richtig nutzen

Während viele Konzerne mit starken Verbrauchermarken ganze Abteilungen für Social-Media-Marketing aus dem Boden stampfen, enorme Budgets bereitstellen und Herrscharen von Agenturspezialisten anheuern, sieht die Lage im deutschen Mittelstand nüchterner aus. Zwar zeigen größere Mittelständler, wie z. B. Falke aus Schmallenberg, bei Facebook Flagge. Viele Unternehmen und regionale Dienstleister sind aber noch unsicher, ob und wie sie Facebook für ihr Marketing nutzen können. Manche haben noch nicht einmal eine professionelle und Google-optimierte Website, die als erste Pflichtübung gilt.

Für wen ist Facebook relevant?

Facebook ist mittlerweile auch in Deutschland das dominierende soziale Netzwerk. Andere wie SchülerVZ oder StudiVZ verlieren ihre Mitglieder in Scharen. Wie Lemminge folgen sie ihren Freunden, die bereits zu Facebook abgewandert sind. Fragen Sie mal Ihre Kinder. Die Konzentration auf ein mächtiges soziales Netzwerk ist für Mittelständler gut, da sie unmöglich mehrere Plattformen bespielen können.

Facebook ist als Marketingplattform für Unternehmen im Endkundengeschäft (Business-to-Consumer) besonders interessant, wenn die Zielgruppe jung ist, das Angebot regelmäßig nutzt und eine emotionale Verbundenheit zum Anbieter hat. Facebook ist daher z. B. für eine Discothek wesentlich geeigneter als für ein Krankenhaus oder Bauunternehmen. Auch für Unternehmen und Dienstleister, die Geschäftskunden bedienen und im Business-to-Business (B2B) agieren, ist Facebook derzeit noch wenig geeignet. Aber das kann sich schnell ändern.

Gleichwohl kann eine Facebook-Präsenz für alle Unternehmen, selbst für örtliche Rechtsanwälte, Ärzte oder Steuerberater, alleine aus Imagegründen wichtig sein. Sie gibt einen modernen Anstrich. Rein funktional ist eine Facebook-Unternehmensseite, auf der User posten und kommentieren dürfen, eine moderne Form des alten Website-Gästebuches. Der Unterschied besteht darin, dass sich jedes Posting und Klicken auf den Gefällt-mir-Button im Facebook-Netzwerk wellenartig und mit großer Geschwindigkeit ausbreiten kann.

Möglichkeiten des Facebook-Engagements

Dreh- und Angelpunkt ist die eigene Unternehmensseite auf Facebook. Sie ist durch eine eigene Adresse erreichbar, z. B. http://de-de.facebook.com/mittelstandswissen. Eine Anpassung der Anmutung an das eigene Webdesign ist in Grenzen möglich. Nachdem Sie Ihre Unternehmensseite konfiguriert haben, stehen Sie vor drei Aufgaben, die Sie je nach verfügbarer Zeit und Mittel gestalten können:

  • Content: Wie Ihre normale Website hängt die Attraktivität Ihrer Facebook-Seite von den veröffentlichten Inhalten ab. Ist Ihr Content informativ, originell und regelmäßig, haben User Anlass, Ihre Seite öfters zu besuchen und aktiv zu werden. Gute Inhalte müssen aber gefunden, geschrieben und gepostet werden. Das ist klassische Redaktionsarbeit, die Sie auch fremdvergeben können. Am einfachsten ist es, wenn Sie Ihre News auf Ihrer Website in einen News-Kanal einstellen und diese Inhalte als Feed mit Facebook und Twitter automatisiert verbinden. So sparen Sie Pflegeaufwand. Bei Facebook können Sie je nach verfügbarer Zeit zusätzliche Postings platzieren.
  • Fan-Gewinnung: Integrieren Sie Facebook in Ihr Tagesgeschäft. Weisen Sie in Ihrer Signatur, Korrespondenz und Werbematerialien darauf hin. Bitten Sie Ihre Kunden z. B. beim Bezahlen aktiv um ein „Gefällt-mir“. Einfache Infozettel, die zeigen wie es geht, vereinfachen den Prozess für Ihre Kunden. Auch Anreize wie Rabatte und Gutscheine verfehlen Ihre Wirkung nicht. Lassen Sie sich nicht von den Hundertausenden Fans großer Unternehmen blenden. Fans kann man heute in Tausenderpaketen bereits für wenig Geld kaufen.
  • Interaktion: Sie können in Ihren Einstellungen die Möglichkeiten des Postings für Nutzer deaktivieren. Dann hat Ihre Facebook-Seite eine reine Informationsfunktion. Der Charme eines sozialen Netzwerkes liegt aber eindeutig in der Interaktion mit Kunden und Fans. Auf jede Kritik, Anregung und Frage müssen Sie angemessen und höflich (manchmal auch demütig) reagieren. Das kann viel Zeit erfordern. Auf jeden Fall erhalten Sie Feedbacks unmittelbar und können so Ihre Servicequalität ständig verbessern.  

Wenn Sie erst einmal nur dabei sein möchten, ist eine Passivstrategie ratsam. Legen Sie Ihre Unternehmensseite an, füllen Sie Ihre Pinwand regelmäßig mit guten Inhalten, am besten über einen Feed, sorgen Sie für eine solide Fan-Basis und deaktivieren Sie ggf. die Möglichkeiten, auf Ihrer Seite zu posten. Sie können dann Ihre Aktivitäten schrittweise und jederzeit erhöhen. Lassen Sie sich nicht vom Hype anstecken. Kalkulieren Sie Chancen und Risiken nüchtern aus Ihrer spezifischen Geschäftsperspektive.


Autor: Dr. Michael A. Peschke

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